Nach der Ernte 2022 Gewässer- und Erosionsschutzmaßnahmen fest einplanen
Gewässer- und Erosionsschutzmaßnahmen tragen zur Biodiversität bei

Bodenerosion führt nicht nur zum Verlust von Bodenfruchtbarkeit auf landwirtschaftlichen Flächen, sondern verursacht auch Schäden auf fremden Grundstücken und führt zur Eutrophierung und Verschlammung von Gewässern. Da damit zu rechnen ist, dass die Häufigkeit von Starkregenereignissen in Zukunft zunehmen wird, ist die Landwirtschaft gefragt, mit der richtigen Bewirtschaftung auf das erhöhte Erosionsrisiko zu reagieren. Dazu einige Empfehlungen:

1. Erosionsschutzplanung mit Hilfe der „ABAG interaktiv“

Durch die Allgemeine Bodenabtragsgleichung (ABAG, nach Schwertmann et al., 1987) kann der tolerierbare Bodenabtrag interaktiv für ein Feldstück berechnet werden. Es kann Landwirte dabei unterstützen, das Erosionsrisiko ihrer Felder besser einzuschätzen und Entscheidungshilfen zur Wahl der geeigneten Fruchtfolge geben. Dafür gibt es die Erosionsschutz-App „ABAG interaktiv“. Diese finden Sie auf der Homepage der LfL Bayern.

LfL Bayern - Erosionsschutz-App "ABAG interaktiv" Externer Link

Vor allem bei Feldgemüse- und Kartoffelanbau in Hanglagen ist die ABAG interaktiv ein unerlässliches Hilfsmittel zur Risikoabschätzung. Durch die Berechnung können Anzahl, Abstände und Breite der Erosionsschutzstreifen ermittelt werden, um damit die Hanglänge so einzukürzen, dass der Bodenabtrag unter der tolerierbaren Grenze gehalten wird.

2. Zwischenfruchtanbau

Anbau bietet zahlreiche Vorteile

Eine der effektivsten Maßnahmen zum Erosionsschutz bietet nach wie vor die ganzjährige Bodenbedeckung. Der Zwischenfruchtanbau stellt hier den entscheidenden Baustein für die Fruchtfolgegestaltung dar. Denn damit wird der Boden im Sommer und Herbst vor einer Sommerung zusätzlich durch Bodenbedeckung und Wurzelwachstum stabilisiert. Mittlerweile gehört der Zwischenfruchtanbau aufgrund seiner großen Vorteile zum ackerbaulichen Standard und bietet zahlreiche ackerbauliche Vorteile:

  • Reduzierung der Nitratverlagerung aus dem Wurzelbereich aufgrund einer Verringerung des Sickerwasseranfalls und der N-Aufnahme durch die Zwischenfruchtbestände
  • Zwischenfruchtanbau ist ein Beitrag zur Schaffung von Lebensräumen für Wildtiere und einem vielfältigen Bodenleben, das die Nährstoffverfügbarkeit verbessert
  • Anreicherung leicht abbaubarer organische Substanz, vorwiegend als Nährhumus
  • Schutz des Bodens vor Witterungseinflüssen und Verringerung der Wind- und Wassererosion durch Bedeckung
  • Stabilisierung des Bodens durch stabile Lebendverbauung (Schattengare), Wurzelmasse, Wurzeltiefgang und Regenwurmkot
  • Erschließung des Unterbodens und Erhöhung der Wasserinfiltration bzw. Wasserhaltefähigkeit des Bodens
  • Unterdrückung von Unkraut durch Licht-, Wasser- und Nährstoffentzug
  • Verbesserung der bodenbiologischen Aktivität und der Selbstreinigungskraft der Fruchtfolge durch Förderung spezifischer Antagonisten von Krankheitserregern
  • Biologische Bekämpfung von Rübennematoden durch den Anbau spezieller Arten und Sorten von Senf und Ölrettichen
  • Reduzierung von Phosphatverlusten durch Oberflächenabfluss und damit weniger Eutrophierung von Gewässern
  • Durch erhöhte bodenbiologische Aktivität werden Pflanzenschutzmittelwirkstoffe schneller abgebaut und verringern dadurch die Rückstandsproblematik

Neben den genannten Vorteilen wird der Zwischenfruchtanbau zusätzlich durch die Neuerungen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) stärker forciert. Zukünftig soll die Winterfurche nur noch auf 20% der Ackerfläche eines Betriebes möglich sein, während auf den restlichen Flächen eine Winterkultur, die Stoppeln der vorherigen Frucht oder Zwischenfrüchte den Boden bedecken sollen. Für späträumende Kulturen, die nach dem 01.10. geerntet werden, soll es wie bisher in den roten Gebieten eine Ausnahmeregelung geben.

Anforderungen an die Mischungszusammensetzung
Bei der Auswahl der Zwischenfrüchte müssen verschiedene Aspekte berücksichtigt werden. Zwischenfrüchte unterscheiden sich in ihrer Jugendentwicklung, der Trockenmassebildung (ober- und unterirdisch) sowie der Durchwurzelung bzw. Wurzelleistung (Nährstoffaufschluss- und Aneignungsvermögen) deutlich. Daher werden meist Mischungen angeboten bzw. empfohlen. Bei der Auswahl der geeigneten Mischung sollten folgende Faktoren beachtet werden:
  • Eignung für die betriebliche Fruchtfolge muss beachtet werden, um die positiven Effekte bestimmter Zwischenfrüchte für die Folgekultur entsprechend zu nutzen
  • Nutzungsart: Futter, Energierohstoff oder für Gründüngung/ Erosionsschutz
  • Bodenart und damit Nährstoffverfügbarkeit
  • Möglichkeit der Düngung nach DüV (rote/gelbe Gebiete beachten)
  • Klimaansprüche wie Wasserbedarf für Keimung und Bestandsbildung bzw. Temperaturansprüche nach der Saat
  • Art der Aussaat: Drillsaat oder Kreiselstreuer (ggf. anschließend walzen für Bodenschluss)
  • Verschiedene Institutionen und Saatgutfirmen bieten entsprechende Rechner für die Zusammensetzung der Mischungen und Aussaatmengen. Die fertigen Mischungen können sich hinsichtlich Zusammensetzung der Arten ändern aufgrund ihrer Verfügbarkeit
  • Preisansprüche
  • Saatzeitpunkt und -menge entscheidet deutlich über die Bestandsbildung

Empfehlungen für einen bodenschonenden Anbau

Folgende Maßnahmen tragen zu einem bodenschonenden Anbau bei:

Bearbeitungsintensität:

  • Vermeidung von hohen Anteilen an Feinerde (durch Pflug und Kreiselegge!)
  • Grundsätzlich ist die Bodenbearbeitung zur Aussaat der Zwischenfrucht so zu gestalten, dass eine Vorverlagerung der Erosion beim Zwischenfruchtanbau durch starke Sommerniederschläge weitestgehend vermieden wird.
  • Eine Saatbettbereitung mit Pflugfurche, die reinen Tisch hinterlässt und nachfolgender intensiver Bodenbearbeitung vor und zur Saat, ist deutlich anfälliger für Erosion.
  • Die Saatbettbereitung zum Zwischenfruchtanbau sollte auf eine hohe Wasseraufnahmefähigkeit ausgerichtet sein.
  • Durch eine tiefe Lockerung mittels Grubber wird eine hohe und notwendige Wasseraufnahmefähigkeit erzielt.
  • Dies ist vor allem bei Weißlehmböden oder Böden, die durch Einzelkornstruktur zum dichten Lagern neigen, wichtig, weshalb der Grubber auf diesen Böden der Pflugfurche vorzuziehen ist.

Durch das Belassen von Ernterückständen (Stroh und bereits abgestorbenes Ausfallgetreide) auf der Bodenoberfläche wird der Boden besser vor Sommererosion geschützt, bis die Krume durch die Zwischenfrucht wieder vollständig bedeckt ist. Pflanzenreste abfrierender Zwischenfrüchte verbleiben als Mulchdecke oberhalb der Bodenoberfläche. Sie schützt den Boden vor Erosion, vor allem beim Anbau von Reihenkulturen wie Mais oder Zucker- und Futterrüben, ebenso Kulturen im Feldgemüseanbau an erosionsgefährdeten Lagen im folgenden Frühjahr.

Verwendung von rasch bodenbedeckenden Zwischenfrüchten oder Zwischenfruchtmischungen (z.B. Senf, Phacelia). Hauptsächlich sind Mischungen von verschiedenen Pflanzenarten zu empfehlen, da diese die vorhandenen Nährstoffe im Boden effizienter nutzen als eine Reinsaat. Zurückzuführen ist dies auf die erhöhte Wurzelbiomasse bei artenreichen Mischungen. Feinwurzeln sind zudem schneller wieder in Nährstoffe umsetzbar.

Hohe Aufwuchsmengen im Herbst sind das Ziel, damit der Zwischenfruchtanbau seine zahlreichen Vorteile entfalten kann. Damit verbunden sind zwangsläufig zeitige Aussaattermine. Hier gilt die Faustregel: „Ein Tag im Juli ist besser als eine Woche im August; eine Woche im August ist besser als der ganze September“. Um diesem Leitgedanken gerecht zu werden, führen manche Landwirte innovative Ansaatmethoden durch.

Pflugfurche und zu feine SaatbettbereitungZoombild vorhanden

© A. Maier, AELF Landau-Pfarrkirchen

Ein Beispiel dafür stellt die Mähdruschsaat dar. Hierbei wird die Zwischenfrucht bereits bei der Ernte der Hauptkultur durch den Mähdrescher angesät. Die Saatgutablage erfolgt direkt in die Stoppel, ohne dass Stroh den Sävorgang behindert. Das Saatbett behält damit noch eine ausreichende Mulchauflage auf der Bodenoberfläche. Bei Starkregenereignissen hält diese Auflage den Boden besser an Ort und Stelle. Der örtliche Maschinenring kann hier ggf. mit vorhandener Direktsaattechnik unterstützen. Dadurch dass die Aussaat bereits mit dem Mähdrusch erfolgt, hat die Zwischenfrucht eine längere Vegetationszeit für die Entwicklung. Dies kann jedoch auch dazu führen, dass sie unerwünscht zur Samenreife heranwächst. Außerdem wird durch dieses Verfahren das Ausfallgetreide und dessen Bekämpfung vernachlässigt. Deshalb empfehlen wir ein solches Verfahren vorerst auf kleineren Flächen auszuprobieren, bevor es im Betrieb großflächig umgesetzt wird.

    3. Erosionsschutzstreifen

    Bild eines ErosionsschutzstreifensZoombild vorhanden

    Wirksamer Erosionsschutzstreifen

    Die Erosionsschutzstreifen sind dort notwendig, wo trockenliegende Gräben bei Starkregenereignissen das Niederschlagswasser mit Erosionsmaterial ständig wasserführenden Gewässern zuführen. Die Verlandung der Oberflächengewässer wird dadurch erheblich beschleunigt, mit allen Nachteilen für Fischlaiche und Fischnährtiere sowie die Pflanzengesellschaft. Die Streifen werden zur Verkürzung der Hanglänge bei stark erosionsgefährdeten Kulturen („Hackfrüchte“ wie Mais, ZR, Kartoffeln sowie dem Feldgemüsebau) angelegt.
    Bei Anlage von dauerhaften Erosionsschutzstreifen sollte die Ansaat durch Mähgutübertragung einer nahe liegenden Samenspenderwiese, um autochthones (heimisches) Saatgut einzubringen, erfolgen.
    Die Platzierung des Streifens erfolgt entweder am unteren Ende des Hangs und/oder bei erosionsgefährdeten Feldstücken (CC2/CC1), die nicht unmittelbar an Gewässern anliegen, in der Hangmitte. Die Breite der einzelnen Streifen kann beispielsweise mit Hilfe der „ABAG interaktiv“-App ermittelt werden. Ihr zuständiger Gewässerschutzberater des AELF Landau-Pfarrkirchen steht Ihnen zudem beratend zur Seite.