So gelingt das Nebeneinander von Holzernte und Artenvielfalt
von Sophia Knoll

Zwei Schwarzspechte, einer an Baum, ein junger schaut aus einem Baumloch heraus.Zoombild vorhanden

Der Schwarzspecht braucht zur Aufzucht eine große Höhle. © Hubert Bosch

Wie kann ich meinen Wald wirtschaftlich nutzen und gleichzeitig Specht und Co etwas Gutes tun? Diese oder ähnliche Fragen, stellen sich viele Waldbesitzer. Anregungen dafür konnten Waldbesitzende im April 2026 in Ortenburg bekommen.

Die Revierförsterin Martina Lindinger und der Förster Richard Parzefall von der Fachstelle Waldnaturschutz luden zusammen mit der Fachkraft Sophia Knoll von der Initiative Zukunftswald der Bayerischen Forstverwaltung zu einem Naturschutztag ein. Im Rahmen der Veranstaltung erhielten die Teilnehmenden praxisnahe Anregungen, wie Holznutzung und Artenvielfalt im Wald Hand in Hand gelingen können.

Der Vormittag begann mit einem theoretischen Input, indem für unsere Region relevante Tierarten der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) vorgestellt wurden. „Nur was man kennt, kann man auch sehen und schützen“, so die Waldnaturschützerin Sophia Knoll. Ein Beispiel hierfür ist der Schwarzspecht. Viele Menschen wissen, dass der Schwarzspecht in Höhlen seine Jungen großzieht. Als großer Vogel braucht er auch eine große Höhle. Damit er eine Höhle in ausreichender Größe bauen kann, braucht der Schwarzspecht entsprechend dicke Bäume. „Buchen ab einem Durchmesser auf Brusthöhe von 40 Zentimeter braucht es schon für den Schwarzspecht“, sagt Martina Lindinger. Für Waldbesitzende leitet sich daraus ab, dass sie etwas Gutes für den Schwarzspecht tun, wenn sie die ein oder andere Buche in ihrem Wald stehen und dick werden lassen.

Gelbbauchunke braucht kleine stehende Gewässer

Kurzer halber Stamm mit viereckiger, trogähnlicher Vertiefung der Mitte.Zoombild vorhanden

Gelbbauchunkentröge können den kleinen Amphibien helfen. © Richard Parzefall/AELF

Weniger bekannt, aber deswegen nicht unwichtig, ist die Gelbbauchunke. Die Unke kommt gar nicht so selten im Wald vor und ist an ihrem schwarz-gelben Bauch gut erkennbar. Die Gelbbauchunke braucht kleine stehende Gewässer, die keine Vegetation aufweisen, um ihre Eier abzulegen. Diese entstehen natürlicherweise im Auwald nach Überschwemmungen. Die Flüsse sind vielerorts begradigt und technische Hochwasserschutzbauten halten den Fluss vom Auwald fern. Deshalb muss der Mensch aktiv nachhelfen und solche Gewässer schaffen. Manchmal passiert das beispielsweise in Traktorspuren oder Steinbrüchen zufällig. Wenn nicht, können Gelbbauchunkentröge den kleinen Amphibien helfen. Diese werden aus senkrecht halbierten Stammstücken geschnitzt und bodenbündig im Wald eingegraben.
Skizze mit Anleitung zum Bau eines Gelbbauchunken-Troges.Zoombild vorhanden

Bauanleitung für einen Trog für Gelbbauchunken.

Nach einem Mittagessen mit regem Austausch unter den Teilnehmenden ging es weiter nach draußen zum Waldlehrpfad in Ortenburg, um waldnaturschutzrelevante Strukturen im bewirtschafteten Wald zu erkennen und zu diskutieren. Neben Spechthöhlen in alten Buchen, Mulmhöhlen, Totholz und alten Windwurftellern wurden auch verschiedene Baumarten und deren Vorzüge in Sachen Biodiversität und insbesondere in Hinblick auf den Klimawandel diskutiert. Ganz im Sinne der Initiative Zukunftswald, die vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus ins Leben gerufen wurde und das Ziel hat, die Wälder in Bayern mit den Waldbesitzenden zusammen fit für den Klimawandel zu machen. Hier herrscht die Devise: „Wer streut, rutscht nicht“ oder aber, wer in seinen Wald verschiedene, heimische Baumarten einbringt oder wild anfliegen lässt, tut dem eigenen Geldbeutel und der Artenvielfalt im Wald was Gutes. Eine Win-Win-Situation, die zeigt, dass Naturschutz und wirtschaftliche Nutzung manchmal sogar Hand in Hand gehen müssen.

Holztröge als Starthilfe
Lebensräume für die Gelbbauchunke schaffen

Grünlicher Froschlurch sitzt auf einer Hand und blickt in die Kamera.

Mehr zur Gelbbauchunke und wie Sie einen Trog selber bauen können (inkl. Anleitung) erfahren Sie hier.  Mehr